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Fichtelgold ist da!

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Man kann vor diesem kleinen Verein und seinen ungemein aktiven Mitgliedern erneut nur den Hut ziehen. Der Gewerbeverein Bad Berneck / Goldkronach hat wieder einmal ein Ausrufezeichen gesetzt: Fichtelgold heißt das Stichwort, das man sich gut merken sollte.

Vor allem dann, wenn man noch nicht alle Weihnachtsgeschenke beisammen hat. Alleine farblich harmonieren die schwarz-goldenen Gutscheine bestens mit weihnachtsbaum-grün. Ab sofort ist Fichtelgold in Bad Berneck und Goldkronach neben dem Euro als offizielles Zahlungsmittel in Umlauf. In über 60 Handels-, Dienstleistungs- und Gastronomiebetrieben lässt sich mit den neuen Gutscheinen bezahlen. Sie sollen zum Hilfsmotor für die lokale Wirtschaft werden und ein Abwandern der Kaufkraft in andere Kommunen verhindern, nach Bayreuth beispielsweise.

Bad Bernecks Erster Bürgermeister Jürgen Zinnert sprach im Rahmen der Vorstellung des Fichtelgoldes am vergangenen Dienstag im prall gefüllten Bad Bernecker Rathaus-Sitzungssaal von einem „ganz, ganz hohen Stellenwert“, den diese Regionalwährung genieße, zumal sie im Landkreis noch ein Alleinstellungsmerkmal besitze. Sein Goldkronacher Amtskollege Günter Exner freute sich nicht nur darüber, dass das Fichtelgold so gut mit dem Namen seiner Stadt harmoniert, sondern auch über einen „richtig schönen Schub“ für die heimischen Gewerbetreibenden. „Das ist ideal für die Weihnachtszeit“, sagte Exner.

Das Fichtelgold ist da. Mit Stolz präsentierten die Verantwortlichen des Gewerbevereins Bad Berneck / Goldkronach die neue Regionalwährung. Im Bild von links: Goldkronachs Bürgermeister Günter Exner, Mitorganisator Thomas Ledwolorz, Gewerbevereins-Vorsitzende Franziska Martin-Werner, Kassier Matthias Hartl und Bad Bernecks Bürgermeister Jürgen Zinnert.

Das Fichtelgold ist da. Mit Stolz präsentierten die Verantwortlichen des Gewerbevereins Bad Berneck / Goldkronach die neue Regionalwährung. Im Bild von links: Goldkronachs Bürgermeister Günter Exner, Mitorganisator Thomas Ledwolorz, Gewerbevereins-Vorsitzende Franziska Martin-Werner, Kassier Matthias Hartl und Bad Bernecks Bürgermeister Jürgen Zinnert.

Und Thomas Ledwolorz, Stadtrat und Mitglied im Gewerbeverein, sah in der gemeinsamen Aktion der beiden Kommunen gar einen „zusammenwachsenden Wirtschaftsraum“. Er betonte auch, dass die bislang beteiligten Firmen einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber den nicht Mitgliedern im Fichtelgold-Verbund hätten. Zugegebenermaßen gibt es nur noch wenige Firmen, die nicht dabei sind. Und stetig sollen es mehr werden. Thomas Ledwolorz dachte sogar schon über eine Ausweitung der Währung auf andere Fichtelgebirgsgemeinden nach. „Ich hätte kein Problem damit.“

Aber auch schon vor dem Hintergrund, dass erst zwei Kommunen im Boot sitzen, ist die Zahl von 60 Teilnehmern erstaunlich. Umso erstaunlicher, wenn man weiß, wie viel Überzeugungsarbeit beim gemeinen Oberfranken doch mitunter zu leisten ist, wenn es darum geht, eine konzertierte Aktion auf die Beine zu stellen. Beim Fichtelgold, so berichtete die Haupt-Organisatorin und Gewerbevereins-Vorsitzende Franziska Martin-Werner, bestand die Hürde nicht darin, die heimischen Firmen zu gewinnen. Die waren größtenteils sofort Feuer und Flamme. Auch die große Teilnehmerzahl bei der Vorstellung im Rathaus – rund 40 Gewerbetreibende waren der Einladung gefolgt – machten deutlich, welch große Hoffnungen damit verbunden sind und welche hohe Akzeptanz die Aktion schon vor dem Startschuss genoss.

Vielmehr entpuppten sich die hiesigen Kreditinstitute, die man gerne als Partner, Anlaufstelle und vor allem Wechselstube gewonnen hätte, als uneinnehmbare Festung. Fast hätte man das Fichtelgold nach fast einjähriger Vorplanung im Oktober wieder begraben können, als urplötzlich die Innenrevision der Sparkasse ihr Veto verkündete. Commerzbank und VR-Bank hatten schon vorher gepasst. „Die Herren der Sparkasse haben abgewunken“, blickte Martin-Werner zurück und schilderte, wie zerknirscht man ob der Entscheidung der Banker gewesen sei.

Man sah sich das Fichtelgold schon wieder zu Grabe tragen, noch bevor man es aus der Taufe gehoben hatte. Und dennoch verkniff sich Franziska Martin-Werner jegliche Kritik an den örtlichen Banken. Zu Recht! Die leisteten nämlich trotz allem große Hilfe – mit erheblichen Geldbeträgen unterstützten sie die Aktion. Alleine mit den 45 Euro Einmalbeitrag, den jeder Teilnehmer zu entrichten hatte, wären die Kosten für Flyer, Aufkleber, Internetseite (www.fichtelgold.eu) und natürlich die Wertmarken mit Hologramm-Aufkleber und fortlaufender Nummer nicht zu schultern gewesen.

Sie war die treibend Kraft und hatte dabei doch den einen oder anderen Rückschlag zu verkraften. Und deshalb erhielt Franziska Martin-Werner aus den Händen von Thomas Ledwolorz ein Fläschchen Wein als Dankeschön.

Sie war die treibend Kraft und hatte dabei doch den einen oder anderen Rückschlag zu verkraften. Und deshalb erhielt Franziska Martin-Werner aus den Händen von Thomas Ledwolorz ein Fläschchen Wein als Dankeschön.

Aber zurück zu den Geburtswehen und den Anstrengungen, diese zu überwinden: Den Rettungsanker warfen schließlich die beiden Rathäuser aus.  „In letzter Sekunde“, wie die Vorsitzende deutliche machte, sorgten sie dafür, dass doch noch ein Wunschkind geboren wurde. Deshalb ging der Dank auch an die Verwaltungen, die in die Bresche gesprungen waren – schnell und unbürokratisch. Hier kann Fichtelgold gekauft werden. Und auch die Firmen haben die Möglichkeit hier – und nur hier – die Gutscheine in harte Euros zurückzutauschen. Die Verwaltung behält lediglich drei Prozent der Summe ein. Dieses Geld wird aber 1:1 an den Gewerbeverein weitergeleitet.

Jürgen Zinnert sprach von einer „selbstverständlichen städtischen Serviceleistung“ und hoffte insgeheim, dass seiner Verwaltung doch einiges an Arbeit ins Haus stehen werde. Denn eines ist klar: Nur wenn viel Fichtelgold in den Rathäusern gekauft wird, wird aus diesem Projekt auch ein Erfolg. In Fünfer-, Zehner und Zwanziger-Wertmarken sind die Gutscheine seit Montag dieser Woche erhältlich. Ob es ein Happyend gibt? Spätestens nach dem Ende des Weihnachtsgeschäftes wird man es wissen, dies wird ein erster großer Gradmesser sein.

Stefan Wolfrum


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